zum Glossar mit Abbildungsverweisen über:

Ophiostomataceae, Schlangenmundpilze
1 Täuschend ähnlich (AP,TP)
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Wer nur die Fruchtkörper[1] betrachtet,
Auch wenn er mikroskopisch ins Innere sieht,
Denkt – wie Jahrzehnte lang als erwiesen es galt –
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Ihrer Konidien[4] Bildung jedoch deutete längst das Gegenteil an:
Holoblastisch[7] in kürzerer Folge am Ende von Trägern,
Oft repetierend an zweigigen Spitzen, entwachsen Ophiostoma sie.
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Obwohl ihre Ökologie[8] in weiten Teilen sich ähnelt,
– Tiere[9] bedienen sich gerne und verbreiten sie weit –
Gestaltet Ceratocystis diese Beziehung recht locker,
Ophiostoma spannt sie hingegen meisterhaft ein.
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Ceratocystis nimmt jedes Insekt, ihre Zukunft zu sichern,
Ophiostoma ulmi[10], wählt zwei von ihnen mit großem Bedacht;
Bindet ihr Schicksal gleichsam an sie
Und weiß, dass ihr Käfer[11] fast fühlt wie sie.
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Als Gelegenheitsdieb führt häufig Ceratocystis sich auf,
Nimmt vom Überschuss, schadet Pflanzen deshalb oft kaum,
Ophiostoma ulmi bringt die Bäume zum Sterben,
Lebt eigentlich nur für das Tier[12].
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Wer Zweifel an ihrer Verwandtschaft schon hatte,
Bekam ein letztes Argument an die Hand:
Der RNA Gene[13] wiesen recht deutlich
Auf die nur fernen Beziehungen hin:
Ceratocystis, ein Glied der Microascales[14],
Ophiostoma Anhänger der eigenen Ordnung[15],
Firmieren zwar je als Sordariomycet[16],
Unterscheiden sich in ihrer –mycetidae Verwandtschaft jedoch[17].
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Doch auch so, wer die beiden noch genauer betrachtet,
Kommt auf Unterschiede, die hochsignifikant:
Ophiostoma besitzt im Gegensatz zu Ceratocystis Cellulose[18],
Wie auch Rhamnose[19], die Ceratocystis fehlt;
Unsensibel gegen Cycloheximid[20] erweist sich Ophiostoma
Während Ceratocystis heftig darauf reagiert;
Durch Wunden infiziert Ceratocystis,
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Fußnoten
[1] Perithecium, Krugförmiger Fruchtkörper, (Pezizomycotina): Bauchig-flaschenförmiger Fruchtkörper (wie eine Chianti-Flasche) mit enger Mündung, durch die sich streckende Asci Sporen in die Umwelt schießen, oder durch die im Innern abgeschossene Sporen allmählich nach außen gedrückt werden
[2] Ophiostoma spp.: Schlangenmundpilze (Ophiostomataceae – Sordariomycetidae – Sordariomycetes – Perithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota –…)
[3] Ceratocystis spp.: Horncystenpilze (Ceratocystidaceae; nicht separat behandelt – Microascales – Hypocreomycetidae – Sordariomycetes – Perithecienascomycota –…)
[4] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt
[5] Phialiden, phialidisch (enteroblastisch-): Enteroblastisch bedeutet, bei der Konidienbildung werden nur die inneren Zellwandschichten der konidienbildenden Zelle zur Konidienbildung herangezogen; bei phialidischer Bildung liegt der konidienbildenden Zelle eine Flaschenform zugrunde; außerdem werden die Konidien in Serie gebildet, wobei die älteste Konidie an der Spitze der Kette steht, die jüngste an der Mündung der Phialide
[6] Propagulen: Allgemeine Bezeichnung für Verbreitungseinheiten
[7] Holoblastische Konidienbildung: Dabei werden alle Zellwandschichten, die der Mutterzelle zu eigen sind, erweicht und in gleicher Schichtung (kontinuierlicher Übergang), bloß dünner, zur Bildung der Tochterzellwand verwendet, die dann bis zum Ende der Ontogenese annähern die gleiche Dicke wie jene der Mutterzelle erreicht
[8] Ökologie: Teilgebiet der Biologie. Sie erforscht die Wechselwirkungen zwischen Lebewesen (wie Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen) untereinander sowie deren Beziehungen zur unbelebten Umwelt
[9] Insekten: Hexapoda (Tetraconata – Mandibulata – Arthropoda – Panarthropoda – Ecdysozoa –…)
[10] Ophiostoma ulmi: Erreger des Ulmensterbens (Ophiostomataceae – Sordariomycetidae – Sordariomycetes – Perithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota –…)
[11] Käfer: Coleoptera (Neuropteroidea – Neuromecoptera – Holometabola – Neoptera – Pterygota –…)
[12] Den Käfer
[13] RNA-Gene: Ribosoale, rRNA, codierende Gene (5,8S rDNA, 18S rDNA und 28S rDNA)
[14] Microascales: Kleinascuspilze (Hypocreomycetidae – Sordariomycetes – Perithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate ascomycota –…)
[15] Ophiostomatales; nicht separat behandelt: Schlangenmundpilze (Sordariomycetidae – Sordariomycetes – Perithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)
[16] Sordariomycetes: Kugelpilzähnliche (Perithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota – Pezizomycotina – Ascomycota –…)
[17] Hypocreomycetidae versus Sordariomycetidae
[18] Cellulose: Unverzweigte Ketten aus Glucose in β-1,4-Verknüpfung; wobei der 6C-Zucker Glucose in Ring-Form geschrieben, das C1 der Aldehydgruppe ist [CH2OHCHOHCHOHCHOHCHOHCHO], davon aus gerechnet ist der vierte Kohlenstoff das C4 ist. In Ringform geschrieben weist die OH-Gruppe des C1 nach oben, wie auch die frei gebliebene CH2OH-Gruppe. Die OH-Gruppen wechseln von 1 bis 4 die Stellung: C1 nach oben, C2 nach unten, C3 noch oben, C4 nach unten, an C5 hängt die nach oben stehende CH2OH-Gruppe
[19] Rhamnose: Ein C6-Zucker als Sechserring, der das freibleibende C als Methylgruppe [–CH3] und nicht als Alkoholgruppe [–CH2OH] gestaltet
[20] Cycloheximid: Hochgiftiges, von Streptomyces griseus produziertes Antibiotikum und Fungizid, das als starker Translationshemmer in eukaryotischen Zellen wirkt. Es stoppt die Proteinsynthese, indem es die Ribosomen blockiert, was zum Wachstumsstopp und Zelltod führt
[21] Saprotroph, saprob: Von totem, organischem Material lebend
[22] Gymnospermen: Nacktsamer (Spermatophytina ohne Magnoliatae)
[23] Parasit, Schmarotzer: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen.
[24] Angiospermen: Bedecktsamer, Magnoliatae
[25] Borkenkäfer: Scolytinae; nicht separat behandelt (Curculionidae – Polyphaga – Coleoptera – Neuropteroidea – Neuromecoptera -…)
[26] Borkenkäfertunnels: Bohrgänge der Borkenkäferlarven
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Cycloheximid
Kohlenstoff: grau. – Sauerstoff: rot. – Stickstoff: blau. - Wasserstoff violett. Einfachbindungen: feiner grüner Strich; Doppelbindungen: breiter grüner Strich.
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Ophiostomataceae, Schlangenmundpilze
2 Tiergeschichten (AP,TP)
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Ihren Nachkommen schon, wie sie Larven[4] mit Hilfe des Pilzes versorgen,
Auf Reisen ihn in Taschen[5] mitnehmen,
Konidien[6] den Eiern zugeben,
Damit Ophiostoma ulmis Mycel[7]
Ihnen Holz[8] aufbereitet serviert.
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Dass Ophiostoma im Baum sich mit Hefen[9] auf Reisen begibt,
Ihm den Transport von Wasser verdirbt,
In Kauf nimmt, dass ein Ulmenteil[10] stirbt,
Scheint nichts als ein Unfall zu sein.
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Hätte er sich auf die Gänge des Käfers, der Maden, beschieden,
Nicht nur Konidien dort, sondern auch Asci und Sporen gebildet,
Auf Hefevermehrung der Konidien verzichtet,
Wäre den Käfern auch damit gedient.
Der Baum wäre zufrieden, er bliebe am Leben
Weil seine Tracheen[11] funktionsfähig und nicht verstopft.
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So aber büßen die Käfer für des Pilzes Aggression.
Suchen nicht selten vergeblich nach Ulmen,
Hat doch der Pilz fast alle zerstört!
So grub der Pilz sich selber sein Grab[12],
Dem Käfer damit das seine dazu:
Wo keine Ulme, da kein Käfer, so auch kein Pilz.
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Fußnoten
[1] Ophiostoma ulmi: Erreger des Ulmensterbens (Ophiostomataceae – Sordariomycetidae – Sordariomycetes – Perithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota –…)
[2] Großer Ulmensplintkäfer: Scolytus scolytus (Scolytinae; nicht separat behandelt - Curculionidae – Polyphaga – Coleoptera – Neuropteroidea –…)
[3] Kleiner Ulmensplintkäfer: Scolytus multistriatus (Scolytinae; nicht separat behandelt - Curculionidae – Polyphaga – Coleoptera – Neuropteroidea –…)
[4] Maden: Beinlose Larven von Insekten
[5] Mycangien, Myzetangien: Kleine Taschen oder Falten an der Außenseite bestimmter Insekten, in denen Pilzmaterial transportiert wird. Die meisten dieser Insekten sind Käfer, wie zum Beispiel Borkenkäfer
[6] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt
[7] Mycel: Gesamtheit dicht oft wachender Hyphen
[8] Holz i.w.S.: Lignifiziertes pflanzliches Gewebe
[9] Hefe, Hefezellen: Durch Hefeknospung entstandene Zellen
[10] Ulmen: Ulmus spp. (Ulmaceae – Rosales – ZyFaRoFaCu-Verwandtschaft – Rosanae – Rosidae -…)
[11] Tracheen: Abgestorbene Wasserleitelemente von Eudicotylen, deren Längszellen trennende Querwände vollkommen oder zum Teil aufgelöst sind
[12] Zumindest örtlich oder regional
Eingestellt am 24. Oktober 2026

Ophiostoma ulmi, Schadbild der Ulme und interne Phänologie (Originale; Reinhard Agerer)
Hintergrundbild: Durch Ophiostoma ulmi verursachtes Absterben von Ulmen.
Rechts unten: Bohrgänge der Maden des Großen oder des Kleinen Ulmensplintkäfers im Splint der Ulme; mit einer Made. Weiße Bereiche in den Bohrgängen ist Mycel von Ophiostoma ulmi, das Ulmensplintkäfer eingebracht haben; Konidienträger würden dunkel erscheinen und Konidien zu schleimigen Köpfchen versammelt tragen.
Rechts oben: Stammquerschnitt mit schwärzlicher zum Stamm konzentrischer Zone. Dorthin sind aus Konidien entstandene Hefen durch den Wasserstrom gelangt und zu dunklem Mycel ausgewachsen; verstopften dabei die Tracheen. Durch fehlendes Wasser (Verstopfung durch Mycel oder durch mycotoxinausgelöste Thyllenbildung) sterben Äste und Stämme ab.
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Der zeitlicher Weg des Ulmensterbens verursacht von Ophiostoma ulmi durch die Welt
Eingestellt am 24. Oktober 2026
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Endpunkt erreicht!
