zum Glossar mit Abbildungsverweisen über: 

Cystobasidiomycetes, Cystosomenpilze

1 Schöne Bescherung

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Wie war es früher doch einfach, Cystobasidiales als Ordnung zu fassen;

Zwei Merkmale lediglich brauchte es, die Einheit zu zeigen.

Doch heute, DNA-Analysen fast überall zur Hand,

Wird handfesten Arten viel Merkmalarmes zugesellt,

Ohne den früher üblichen ultrastrukturellen Beweis:

So wird ihnen Schritt für Schritt nun vieles einverleibt.

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Nicht nur diese Ordnung wurde, an herkömmlichen Werten gemessen, verwässert,

Auch anderen, die scheinbar ihnen nicht nah, ging es nicht anders:

Und wurden dann, dies fehlte gerade noch zu unserem Glück,

In einer einzigen Klasse zusammengefasst.

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Was bleibt nun der Klasse als einendes Band

Über gemeinsame Basensequenzen hinaus?

Fucose[1] fehlt in der Zellwand wird sie hydrolisiert[2],

Soweit sie diesbezüglich studiert.

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Ein paar Tendenzen häufiger Merkmale bleiben darüber hinaus,

Die aber nicht allen zu eigen:

Ein Mycoparasitismus[3] besonderer Art

Und ein Leben als Hefen[4]. Ausschließlich zu sprossen[5] genügt ihnen oft.

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Fußnoten

[1] Fucose: Eine Galactose, die anstelle der [–CH2OH]-Gruppe eine Methylgruppe [–CH3]-Gruppe trägt

[2] Hydrolisierung, Hydrolyse: Spaltung eines Moleküls durch Einwirkung von Wasser in zwei selbständige

[3] Mykoparasitismus: Ein Pilz parasitiert einen anderen

[4] Basidiomycetoide Hefenbildung: Enteroblastische Hefenbildung, wobei nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen werden

[5] Sich mit Hefezellen vermehren

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Cystobasidiomycetes, Cystosomenpilze

2 Cystosom

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Verweilen wir anfangs doch kurz,

Um Cystobasidiomycetes, so wie ursprünglich gefasst, zu versteh‘n;
So bleibt als Erstes ihr Porenverschluss[1], das Cystosom[2] zu betrachten,

Ihr auffallendes Organell[3], keinen andern Organismenreichen bekannt:

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Zylinderförmig mit gerundeten Enden, wurstförmig, wie eine Made fast,

Steckt es asymmetrisch nur einen Kopf durch den Porus,

Mit dünnem Hals dort, wo die Öffnung so eng,

Ganz entschlossen, nichts passieren zu lassen!

Doch hält der Verschluss für immer auch dicht?

Wir wissen es nicht.

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Auch wenn im Innern dieses Zylinders nur Langweile herrscht,

Umso aufregender konstruiert erscheint das Relief[4]:

Schraubig gebaut aus dichtschließenden Kugeln – andere seh‘n ein Netz –

Wie ein Bohrer, der sich von unten in die obere Zelle gepresst.

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Obwohl er nur Cystobasidiaceae, Cystobasidium[5], zu eigen,

Ist diese Sonderstruktur der Schilderung sicherlich wert.

Poren werden bei vielen Pilzen zwar, wenn auch periodisch nur, verschlossen,

Doch dieses Konstrukt, dieses seltsame Ding,

Gibt einen Eindruck,

Wie verspielt doch die Evolution.

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Dieser Klasse überwiegende Mehrzahl existiert nur als Anamorphe[6],

Als Hefen[7], oder als Pseudohyphen[8], in Kultur oft auffällig gefärbt;

Bilden oft, leben sie parasitisch[9] und hyphig, tremelloide Haustorien[10][11 und

Winzigste Fusionsporen[12] mit dem pilzlichen Wirt.

Kaum fünf Dutzend Arten lassen derzeit sich eindeutig charakterisieren:

DNA ist es, die sie trennt und zugleich Cystobasidiomycetes zugesellt.

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Fußnoten

[1] Porenverschlüsse (Rhodophyta, Unbegeißelte Chitinpilze): Anfänglich durch Poren verbundene Zellen, werden durch Verschlüsse voneinander wieder getrennt

[2] Cystosom (Cystobasidiaceae): Zylinderförmiger, rundeckiger Porenverschluss mit dünnem Hals den Porus verschließend, von einer Seite mit großem Anteil, auf der anderen Seite mit nur kleinerem Kopf in die Zelle ragend; Oberfläche schraubig aus kugeligen Einheiten bestehend

[3] Organell: Meist lipidmembranumgrenzte Bereiche einer Zelle eigener Funktion, z. B. Zellkern, Mitochondrien, Chloroplasten, etc.; oder als Zelle, weicht sie signifikant in Gestalt und Funktion von anderen ab, z. B. Drüsenzelle, Exkretionszelle

[4] Relief: Form (Täler, Erhebungen) der Erdoberfläche; generell von Strukturen

[5] Cystobasidium: Cystenpilz (Cystobasidaceae; nicht separat behandelt; Cystobasidales; nicht separat behandelt – Cystobasidiomycetes – Der Moderne Rest – Pucciniomycotina –…)

[6] Anamorph: Nebenfruchtform der Pilze zur asexuellen Vermehrung

[7] Basidiomycetoide Hefenbildung: Enteroblastische Hefenbildung, wobei nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen werden

[8] Pseudohyphen: Fadenförmige Ketten aus länglichen Pilzzellen (Sprosszellen), die nach der Zellteilung unvollständig voneinander getrennt bleiben und dadurch Hyphen ähneln

[9] Parasitisch, parasitär: Schmarotzend leben auf Kosten lebender Organismen

[10] Haustorien, Senker (Pilze): Spezielle Ausstülpungen von Hyphen, die in Zellen fremder Organismen eindringen, dabei aber nicht direkten Kontakt zum Protoplasten bekommen, bleibt doch die Zellmembran der Wirtszellen erhalten; sie vergrößert sich hingegen wenn nötig gar, um den voluminöser werdenden Eindringling zu umhüllen, es werden zudem Zellwandmoleküle des Wirts dazwischen abgelagert, die allerdings unter dem Einfluss des Parasiten dünnschichtig bleiben und sich nicht, wie für eine Zellwand typisch wäre, geregelt ordnen. Über diese Haustorien werden Substanzen dem Protoplasten entnommen

[11] Tremelloide Haustorien: Einer Schnalle entspringende schnabelförmige Haustorien

[12] Nanofusionsporen (Pilzparasiten): Nanometerdünne Kanäle durch Zellwände des Parasiten und des Wirts, ausgekleidet mit Lipiddoppelmembran; verbindet beider Pilze Protoplasten durch beidseitige Integration in das Plasmalemma; damit entsteht ein cytoplasmatisches Kontinuum ohne Durchtrittmöglichkeit für Organelle

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Cystosom in zweierlei Schnitten von Occultifer externus(median und tangential); (elektronenmikroskopische Aufnahmen, gezeichnet mit Bleistift und Kreide; Reinhard Agerer)

Links: Medianer Schnitt; Hals des Cystosoms in engem Porus des Septums, schraubige Anordnung der globulären Einheiten in Teilen erkennbar. – Rechts: Schnitt außerhalb des Porusbereichs des Septums; schraubige Anordnung und globuläre Einheiten („netzartige Oberfläche“) überwiegend deutlich erkennbar.

Pilzzellwand: hellbraun, Im TEM dunkel (mit hellem Mittelbereich); Plasmalemma nicht eingezeichnet; Maßstab: 1 µm

Nach Weiß et al. (2004), Fig. 25 und 26; Seite 35

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Cystobasidiomycetes, Cystosomenpilze

3 Kleinstfusion

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Wenn Fungi[1] auf Fungi parasistieren – es kann kaum überraschen –

Leben sie, um organische Nahrung bemüht, sicherlich dicht

In ähnlichen, oft identischen Nischen[2] und nehmen,

Falls es gelingt, den andern umarmend, Gehütetes weg. –

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Steht unter Druck im Boden die Quelle,

Schießt sie empor, falls das Rohr nicht zu dick.

Dünne Fontänen sparen beim Bohren Ressourcen,

Fusionieren zu Spektakeln, steh‘n sie recht dicht.

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Länger sprudeln die Quellen, ist dünner das Rohr.

Wenn damit des Nutzers Bedürfnis gedeckt,

Bleibt die erbohrte Ressource oft über Jahre erhalten,

Bis sie, wird sie nicht ständig befüllt, letztlich versiegt. –

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Recht ähnlich verfahren Cystobasidiaceen[3]-Arten

– Wie einige Agaricostilbales[4] dazu –:

Durchbohren Basidio[5]- und Ascomycoten[6] Wände

Kaum sichtbar, unsäglich dünn.

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Zwanzig- bis Zehnmillionstel Millimeter[7] nur

In der Weite durchtritt der feinste, je gebohrte Kanal

Des Opfers[8] Zellwand; doch lange zuvor

Durchstach der Schmarotzer[9] die eigene schon.

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Doch nicht genug, was bis dahin geschah:

Der beiden Plasmalemmata[10], wie es scheint einander nicht fremd,

Vereinen sich an des Tunnels winzigem Tor,

Bis er mit Fremdcytoplasma[11] gefüllt.

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Organelle[12] interessieren den Räuber[13] offenbar nicht.

Was flüssig, was gelöst, klein genug den Kanal zu passieren,

Nimmt er gerne entgegen, nutzt es für sich,

Wenn die Osmotik[14], die Fließrichtung zum eigenen Vorteil bestimmt.

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Oft halten Geprellte[15] die heimlichen Bohrer aus sich heraus.

Andere aber durchdringen die Wand,

Bohren dafür ein riesiges Loch,

Einen Senker[16] ins Herzstück zu bringen;

Setzen dann erst die feinen Kanäle durch ihre eigene Wand

Und, wenn noch nötig, durch des Wirts dünne provisorische Wehr. –

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Nachdem Mykoparasitismus[17] – auch mit Nanokanälen[18] –

So weit verbreitet bei ursprünglichen Arten erscheint,

Drängt dies einige Forscher zur verständlichen These,

Diese Art der Ernährung war Start für diversifizierende Evolution.SL

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Fußnoten

[1] Fungi: Echte Pilze, Chitinpilze (Opisthokonta – Eukarya)

[2] Nischen (ökologische): Meist begrenzte Gebiete mit ziemlich einheitlichen Lebensbedingungen; durch spezifische abiotische und biotische Faktoren bestimmt

[3] Cystobasidiaceae: Cystosomenpilze (Cystobasidales; nicht separat behandelt – Cystobasidiomycetes – Der Moderne Rest – Pucciniomycotina – Basidiomycota –…)

[4] Agaricostilbales: (Agaricostilbomycetes – Der Moderne Rest – Pucciniomycotina – Basidiomycota Dikarya – …)

[5] Basidiomycota: Ständerpilze (Dikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)

[6] Ascomycota: Schlauchpilze (Dikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)

[7] 20 – 10 nm

[8] Wirt (Parasiten, Symbionten): Opfer eines Parasiten, Partner eines Symbionten

[9] Schmarotzer, Parasit: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen

[10] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt

[11] Cytoplasma: Flüssiger Zellinhalt mit darin liegendem Cytoskelett

[12] Organell: Meist lipidmembranumgrenzte Bereiche einer Zelle eigener Funktion, z. B. Zellkern, Mitochondrien, Chloroplasten, etc.; oder als Zelle, weicht sie signifikant in Gestalt und Funktion von anderen ab, z. B. Drüsenzelle, Exkretionszelle

[13] Parasit

[14] Osmostress (Osmose): Osmose ist die Diffusion eines Lösungsmittels (z. B. Wasser) durch eine für eine bestimmte Substanz nur in einer Richtung durchlässige Membran. Ziel der Diffusion des Wassers ist es, einen Konzentrationsausgleich zwischen den beiden durch die Membran getrennten Räume zu erreichen. Ist z. B. die Salzkonzentration oder Zucker-Konzentration innerhalb einer Zelle höher als außen, so wird so lange Wasser in die Zelle aufgenommen, bis es zu einem Konzentrationsausgleich kommt. Ist die Konzentration innerhalb der Zelle niedriger, so wird Wasser nach außen entweichen. Als Folge würde sich im ersten Fall die Zelle ständig vergrößern, bis sie unter Umständen sogar platzt, im zweiten Fall würde sie kollabieren. Zumindest das Zerplatzen infolge Osmosestresses kann durch eine widerstanderzeugende Zellwand verhindert werden

[15] Wirte

[16] Senker: Haustorien (Pilze): Spezielle Ausstülpungen von Hyphen, die in Zellen fremder Organismen eindringen, dabei aber nicht direkten Kontakt zum Protoplasten bekommen, bleibt doch die Zellmembran der Wirtszellen erhalten; sie vergrößert sich hingegen wenn nötig gar, um den voluminöser werdenden Eindringling zu umhüllen, es werden zudem Zellwandmoleküle des Wirts dazwischen abgelagert, die allerdings unter dem Einfluss des Parasiten dünnschichtig bleiben und sich nicht, wie für eine Zellwand typisch wäre, geregelt ordnen. Über diese Haustorien werden Substanzen dem Protoplasten entnommen

[17] Mykoparasitismus: Ein Pilz parasitiert einen anderen

[18] Nanofusionsporen (Pilzparasiten): Nanometerdünne Kanäle durch Zellwände des Parasiten und des Wirts, ausgekleidet mit Lipiddoppelmembran; verbindet beider Pilze Protoplasten durch beidseitige Integration in das Plasmalemma; damit entsteht ein cytoplasmatisches Kontinuum ohne Durchtrittmöglichkeit für Organelle

SL Bauer R, Begerow D, Sampaio JP, Weiß M, Oberwinkler F (2006) The simple-septate basidiomycetes; a synopsis. Mycol Progress 5(1): 41-66. – Weiß M, Bauer R, Begerow D (2004) Spotlights on Heterobasidiomycetes. In Agerer R, Piepenbring MN, Blanz P (eds) Frontieres in Basidiomycote Mycology, pp 7-48. IHW-Verlag. – Bauer R (2004) Basidiomycetous interfungal cellular interactions – a synopsis, pp 325-338. IHW-Verlag.

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Endpunkt erreicht!