zum Glossar mit Abbildungsverweisen über: 

Rhizocarpales Landkartenflechtenartige

1 Der Aufstieg (TP)

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Anfangs noch geht es durch schattige Wälder

Dem steilen Ziehweg[1] entlang;

Fichten[2], Zirben[3], Lärchen[4] umgreifen,

Armdick die Wurzeln, ausgewaschene Felsen,

Nur flüchtig mit schwarzbraunem Humus[5] bedeckt,

Gehalten von säureliebenden Pflanzen jeglicher Art.

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Jeder Sonnenfleck wird in der Kühle,

Obwohl durch ständiges Steigen schon merklich erhitzt,

Mit Freuden begrüßt,

Bis, die Baumgruppen werden nach und nach lichter,

Die almenbeleuchtende[6] Sonne

Kein Erbarmen mehr kennt.

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Geschlängelt zwischen Latschengebüsch[7],

Dem steilen, felsigen Aufstieg entgegen,

Führt der schmale, von Kühen[8] ortsweise bewässerte Weg

An einzelnen, wie hingeworf‘nen, flechtenummantelten[9] Brocken vorbei,

Endet fast unvermittelt am

Übersprudelten, bruchstückbeschichteten Pfad.

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Eine Rast mit atemberaubendem Blick in die Tiefe!

Noch ein paar Hunderte Meter nur,

Nicht in die Höhe,

Einem sanften Anstieg entlang –

Und der letzte Zweifler ist überzeugt:

Der anstrengende Aufstieg hat sich gelohnt!

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Felsen als unbesteigbare Blöcke,

Einzeln, zu Gruppen vereint, aufeinandergetürmt,

Von buntem Gefleck, nichts ist von ihnen selbst noch zu seh’n,

Farbenfroh, ohne jegliches Muster, mal flächig mal klein übersät:

Von Schwarz über Grau, mit bräunlichen Tönen,

Rostrot, orange, ein kräftig leuchtendes Grün von schwarzen Linien durchzogen,

Schwarz auch begrenzt zu allzu benachbarten Krusten[10] hin,

Als wollten sie Freiraum besetzen, wo jemand schon lebt.

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Landkarten zur Fläche entfaltet, verkleinert zur Miniatur[11],

Zwängen sich eng zwischen Bescheid’ne dahin:

Grüne Felder durch schwärzliche Flüsse getrennt,

Mit abgrunddunklen, rundlichen Seen dazwischen,

Zieh‘n den staunenden Wanderer ungewollt an!

Landkartenflechten, so die Erklärung,

Schmücken den Fels zur Freude des Blicks!

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Fußnoten

[1] Ziehweg: Schmaler, flacher Verbindungsweg im alpinen Gelände mit nur sehr geringem Gefälle

[2] Gemeine Fichte: Picea abies (Pinineae – Pinales – Conifera – Coniferopsida – Spermatophytina –…)

[3] Zirbe: Pinus cembra, eine Kiefer mit 5nadligen Büscheln (Pinineae – Pinales – Conifera – Coniferopsida – Spermatophytina –…)

[4] Europäische Lärche: Larix decidua (Pinineae – Pinales – Conifera – Coniferopsida – Spermatophytina –…)

[5] Humus: Unterste Schicht der organischen Auflage auf Mineralböden; im Humus sind keine pflanzlichen Reste als solche zu erkennen, alles ist feinbröslig

[6] Alm: Baumarme oder baumlose Bergwiese oder Bergweide

[7] Latsche: Pinus mugo, eine Kiefer mit zwei Nadeln pro Büschel (Pinineae – Pinales – Conifera – Coniferopsida – Spermatophytina – …)

[8] Kuh, Hausrind: Bos taurus (Bovini – Boodontia – Bovidae – Pecora – Ruminantia –…)

[9] Flechten: Symbiosen aus Pilzen und Algen

[10] Krustenflechten: Flechten, bei denen der Thallus flächig, krustenartig und lückenlos fest mit der Unterlage verwachsen ist

[11] Rhizocarpon spp.: Landkartenflechten (Rhizocarpaceae; nicht separat behandelt – Rhizocarpales – Lecanoromycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota –…)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Rhizocarpales, Landkartenflechtenartige

2 Etabliert (TP)

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Ein schwarzer Prothallus[1] besiedelt zunächst den offenen Ort

Sobald die Spore den Partner gefunden und,

Falls der Fels von Frösten zersprengt

Weite jungfräuliche Flächen der Flechte beschert,

Großzügig Freiraum für lange gewährt,

Bis Konkurrenz die gleiche Stelle begehrt.

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Als erstes gilt, so weit wie möglich den Ort zu besetzen,

Raumgreifende Hyphen frontwärts zu senden,

So lange der Partner im Rückraum[2] noch liefert

Und an Synthesegrenzen nicht stößt.

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Liefern und liefern kann die Devise nicht sein.

An sich selbst, auch des Partners wegen,

Hat er, seine Leistung stark zu erhöh‘n,

Zügig die Zellen noch zu vermehren.

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Erst mit der Zeit verdickt sich der Thallus,

Sammelt am Rücken sich Grünalgen an,

Beschirmt, ausreichend Licht dem Partner noch lassend,

Mit grünen Pigmenten Rhizocarpons Zucker lieferndes Herz[3].

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Wartet nicht bis überall der Thallus perfekt,

Bringt Stück für Stück Teilareale auf Trab,

Lässt jedem, in Freiheit sich zu entfalten,

Eine breitere Zone des schwärzlichen Lagers

Für seinen Erweiterungsbau.

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Fast schließen sich nach einiger Zeit

Der dunklen Täler weithin sichtbare Schluchten,

Verpassen der Flechte, feinziseliert, ein duftiges schwarzes Kleid

Und erweitern sich mancherorts scheinbar zur rundlichen Bucht.

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Teichen gleich, wie Maare der Eifel[4], mitten im Grün[5],

Betrachten dunkle Apothecienaugen wohlwollend dich;

Peppeln[6], beherbergen Sporen zu Rhizocarpons Gewinn:

Millionen verstreuten sie, bevor der Thallus verblich. –

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Mit weitem Tholus[7] der Ascus, amyloid[8] nur in Tönen;

Mauerförmig aus Dutzenden Zellen,

Ellipsoid zum windgefügigen Fliegen gebaut,

Brauchen Sporen, gut schon gebräunt,

Nicht lange sich ans Licht zu gewöhnen,

Landen am Fels, haben dem Zufall glücklich vertraut.

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Was wohl helfen den Sporen die vielen Zellen,

Wenn sie, an freie Flächen geweht, zum Leben erwachen,

Auf Algen hoffen in feuchten, schattenverwöhnten Poren?

Mit vielen Hyphen, wenn aus den Zellen sie wachsen,

Werden sie suchen, gelegentlich auch danach bohren,

Bis sie, penetrant wie sie sind, der Grünen[9] Abwehr am Ende durchbrechen.

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Ein Wunder, mag jemand voll Bewunderung denken,

Wer nicht der Evolution Bestreben bedenkt,

Mit hohen Zahlen den Zufall zu lenken,

Auch wenn sie selbst die Ziele nicht kennt.

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Wer will noch immer nicht der vielen Zellen Bedeutung erkennen,

Wenn Hyphen nach mehreren Richtungen pirschen,

In weiten Bereichen Algen zu rauben[10],

Vielleicht nur im Trüben zu fischen[11],

Sicherlich mehr der Reserven verbrauchen,

Doch mit größerer Sicherheit den richtigen Partner verpflichten.

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Fußnoten

[1] Prothallus (Flechten): Primäre, oft algenfreie Schicht aus Pilzhyphen; entsteht beim Auskeimen der Pilzsporen und bildet einen sichtbaren Rand- oder Basalsaum um das eigentliche Flechtenlager (Thallus), besonders bei Krustenflechten

[2] Grünalgen i.e.S.: Chlorophyceae (Chlorophyta – Plantae – Eukarya)

[3] Grünalgenschicht

[4] Maare: Schüssel- oder trichterförmige Mulden vulkanischen Ursprungs, die in eine vorvulkanische Landfläche eingesenkt sind; werden gebildet durch Wasserdampfexplosionen beim Zusammentreffen von Grundwasser und heißem Magma; sind überwiegend kreisförmig oder oval, können flach oder trichterförmig wie ein Krater sein

[5] Grünliches Pigment

[6] Peppeln: Eine schwache, kranke oder unterernährte Person, ein Tier oder eine Pflanze sorgsam und liebevoll ernähren und pflegen

[7] Tholus: Verdickter innerer Teil der Ascuswand am Apex

[8] Amyloid: Blau nach Jodbehandlung

[9] Grünalgen

[10] Andere Flechten

[11] Herumliegende Algen

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Rhizocarpon geographicum (Original; Reinhard Agerer)

Wie typisch für Landkartenflechten, auf Silikatfelsen wachsend.

Nur nach Habitus bestimmt

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Der Ascusscheitel der Rhizocarpaceen, verdickt, wie bei allen austrocknungsresistenten Lecanoromycetes, weist um den angedeuteten Porus nur einen kleinen amyloiden Ring auf.

Nach Rambold & Triebel (1994), Fig. 19 f, Seite 58

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Endpunkt erreicht!