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Xylariomycetidae, Holzkeulenpilzartige

1 Schwarze Keulen am Stumpf

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Eigentlich wollte er spazierend sich im Wald nur erholen,

Genoss auch die mild-feuchte Luft am Rande des Laubwalds.                            

Doch plötzlich erschrickt er, bleibt steh’n, traut seinen Augen fast nicht:

Klobige Keulen, schwarz, lang wie sein Finger, manchmal viel dicker,

Über der Mitte recht häufig mit Beulen,

Steh‘n seitlich am festverwurzelten, fußhohen, etwas modrigen Stumpf!

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Wie Finger des Teufels

– Ein Kinderbuch kommt ihm sofort in den Sinn –

Ragen sie drohend den Blicken entgegen;

Denkt dagegen aber entschieden an

Und nimmt, was ihn so maßlos erschreckte,

Zwar zögerlich, aber dennoch am Holz in die Hand.

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Fest muss er ziehen, um das argschwarze Ding abzubekommen

Und sieht viel Weißes inmitten der Keule

Hell kontrastierend zum Schwarz;

Nimmt das Messer aus der Tasche und

Schneidet, eine Säge, denkt er, bräuchte er fast,

Neugierig geworden, die Keule durch.

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Prüft noch das leicht verbog’ne Oval;

Säubert und glättet am Rand noch den Schnitt

Und glaubt, knapp unter der pechschwarzen Decke,

Wie glänzende Perlen, doch viele scheinen ihm hohl,

Ein feines Muster, leicht ins Weiße versenkt, zu erkennen. –

Schon etwas vertrauter mit diesem Ding,

Steckt er es zu allerlei Tand in die Tasche,

Wundert sich nochmal und geht seinen Weg.

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Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Xylariomycetidae, Holzkeulenpilzartige

2 Des Rätsels Lösung

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Eine Korkige Holzkeule[1] fand unser Denker.

Perithecien[2] sah er am Rand des Sammelfruchtkörpers[3] versenkt;

Ihre Wandung, leicht glänzend im Schnitt,

Umhüllte die lockeren Asci

– Vom Messer manchmal aus ihrer Hülle gezogen. –

Glaubte als Perlen sie zu erkennen;

Kein Wunder, durchschnitt er doch einzelner Fruchtkörper[4] Bauch,

Nur gelegentlich traf er sie durch die Mitte längs;

Mit einer Lupe, wäre sie zur Hand ihm gewesen,

Hätte er sicher die Mündung[5] nach außen durchs Schwarze erkannt. –                   

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Wieder im Wald, neugierig zog es ihn dorthin zurück,

Sieht er noch immer die dunklen Gestalten.

Weiter weg, sein Auge will mehr von den seltsamen Dingen erkennen,

Findet er, geweihförmig, doch wesentlich kleiner,

Schwarzstielige Formen auf anderen Stümpfen.

Fast wie Korallen sehen sie aus

Mit ihren weißen, kurzgezogenen Spitzen.

Ungeschickt fasst er sie an und wundert sich

Über das Weiß an Daumen und Finger,

Das er sofort reibend vertreibt.

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Die Geweihförmige Holzkeule[6]

Mit ihren Puderkonidien[7] bemehlte des Wanderers Hand;

Gleich im Schwarzen darunter

Hätte er Perithecien erkannt.

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Kohlenbeeren[8] auf abgestorbenem Buchenast[9]

Reihen zu halbkugligen Hügeln sich auf;

Kommen dem Wissbegierigen leicht warzig vor:

Perithecien, nicht vollkommen versenkt, ragen leicht erhaben hervor.

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Am Ende fand er noch flache, pechschwarze Scheibchen[10]

Aus einer Borke[11] lugend, aber dennoch versenkt;

Kleine Pünktchen darauf

Waren der einzelnen Fruchtkörper Mund. –

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Sicher war es nur Zufall, doch der Naturfreund fand,

Was die Evolution den Xylariales[12] so Sinnvolles gab:

Perithecien, in ein ebenes Stroma[13] versenkt,

Spielen gestaltend mit dem sterilen Geflecht:

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Heben der Fruchtkörper Sammlung zu Kugeln[14], zu Keulen, weit vom Substrat

Windturbulenzen entgegen für Sporentransport,

Verzweigen auch noch das Ganze, um

Mehr Perithecien zu bilden vorort[15].

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Die Geweihförmige[16] zeigte es klar,

Auch Konidien stehen zur Wahl,

Die Art zu erhalten, sie weit zu verbreiten,

Doch nicht alle heben sie deutlich hervor:

Bilden locker die Hyphen[17], mehlig die Stäube,

Meist ziemlich nah dem Substrat[18].

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Wen möchte es wundern,

Dass uralt und dazu erfolgreich der

Sordariomycetes Perithecien-Strategie?

Schon zu frühen devonischen Zeiten[19] lebten die Fruchtkörper[20]

– Und ihre Nebenfruchtformen[21] –

An ersten Tracheophyten[22] an kaum schon besiedeltem Land.

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Fußnoten

[1] Korkige Holzkeule: Xylaria polymorpha: (Xylariaceae – Xylariales; nicht separat behandelt – Xylariomycetidae – Sordariomycetes – Prithecienascomycota –…)

[2] Perithecium, Krugförmiger Fruchtkörper, (Pezizomycotina): Bauchig-flaschenförmiger Fruchtkörper (wie eine Chianti-Flasche) mit enger Mündung, durch die sich streckende Asci Sporen in die Umwelt schießen, oder durch die im Innern abgeschossene Sporen allmählich nach außen gedrückt werden

[3] Sammelfruchtkörper (Pezizomycotina): Viele einzelne Fruchtkörper werden durch gametophytisches Mycel, durch ein Stroma, zu einem zusammengesetzten Gebilde vereint

[4] Perithecien

[5] Peristom (Ascomycota): Mündung, Öffnung eines Peritheciums

[6] Geweihförmige Holzkeule: Xylaria hypoxylon (Xylariaceae – Xylariales; nicht separat behandelt – Xylariomycetidae – Sordariomycetes – Prithecienascomycota –…)

[7] Konidien:

[8] Kohlenbeere: Hypoxylon fragiforme (Xylariaceae – Xylariales; nicht separat behandelt – Xylariomycetidae – Sordariomycetes – Prithecienascomycota –…)

[9] Rotbuche:

[10] Buchen-Eckenscheibchen: Diatrype disciforme (Xylariaceae – Xylariales; nicht separat behandelt – Xylariomycetidae – Sordariomycetes – Prithecienascomycota –…)

[11] Borke: Äußerste, tertiär entstandene Abschlussschicht an Bäumen; Korkschichten trennen, um entstandene Risse zum lebenden Gewebe hin wieder abzudichten, Teile des Bastes ab, die danach absterben und artabhängig in unterschiedlichen Formen abblättern; sekundäres Abschlussgewebe ist Rinde; primäres die Epidermis

[12] Xylariales; nicht separat behandelt: Holzkeulen (Xylariomycetidae – Sordariomycetes – Prithecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[13] Stroma (Pezizomycotina): Steriles, dichtes, mitunter überdauerungsfähiges Hyphengeflecht, aus, auf oder in dem Fruchtkörper entstehen

[14] Abheben vom Substrat, hinein in den Wind (Pilze): Ein entscheidendes evolutives Prinzip. Auch wenn Sporen aktiv weggeschleudert werden, wirken Luftturbulenzen und Windströmungen erheblich mit, besonders für Fernverbreitung, um Sporen an Orte zu bringen, die nicht schon von der eigenen Art besiedelt werden und erhöhen damit auch die Chance wieder geeignetes Substrat vorzufinden. Weil Luftturbulenzen substratnah recht gering sind, wenn überhaupt vorhanden, wirkt sich ein Schießen in luftbewegte Schichten besonders förderlich aus für die Verbreitung und den Erhalt einer Art. Damit wirkt Abheben vom Substrat fitnessfördernd für eine Art.

[15] Vergrößerung der reproduktiven Oberfläche (Fungi): Ein entscheidendes evolutives Prinzip. Man stelle sich zunächst einmal eine ebene Fläche als Hymenium vor, erhebe sie dann gedanklich zu einer Halbkugel, so lässt sich, auch ohne große Berechnung, schließen, die konvexe Oberfläche einer Halbkugel ist größer als die Ebene gleicher Grundfläche (gilt in gleicher Weise, wird die Ebene zum Becher vertieft); jede Erhebung, jede Vertiefung  auf der Halbkugel wird die Oberfläche des geometrischen Körpers erhöhen und damit auch die Gesamtfläche des Hymeniums, wenn Hügel und Tal damit  be-/ausgekleidet sind. Wenn einmal als Mycel ein Platz im Substrat oder als Fruchtkörper auf dem Substrat ergattert worden ist, lohnt deshalb es sich evolutiv, diesen so umfangreich wie möglich auszunutzen, um letztlich windverbreitete Sporen (auch wenn sie zunächst abgeschossen werden) in größtmöglicher Zahl zu bilden und abzuschießen. Bei Windverbreitung ist nämlich, um möglichst erfolgreich zu sein (fit zu sein), die Anzahl der Propagulen mitentscheidend

[16] Geweihförmige Holzkeule

[17] Hyphen (Pilze): Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände

[18] Substrat: Allgemeine Bezeichnung für feste, unterstützende, tragende oder nährende Substanz

[19] Devon-Zeit: vor etwa 416 – 359 Millionen Jahren

[20] Perithecien

[21] Nebenfruchtform, Nebenkreislauf: Eine asexuelle Vermehrung, die nicht direkt in den Entwicklungskreislauf (Hauptkreislauf, Hauptfruchtform) eingeschaltet ist, sondern für eine seiner Phasen der schnellen, oft explosionsartigen Vermehrung dient

[22] Tracheophyta: Stelenpflanzen i.w.S. (Embryophyta – Streptophyta – Plantae – Eukarya)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Xylaria polymorpha, Korkige Holzkeule (Originale; Reinhard Agerer)

Ganz links: Für Xylariales typischer Ascus mit acht meist dunkelbraunen Sporen, einem auffälligen Apikalapparat mit engem Kanal.

Linke Kolumne: Oben: Habitus von Xylaria polymorha, ein Sammelfruchtkörper im Längsschnitt. Mitte: Angeschnittenes Perithecium mit Asci und Ascosporen. Unten: Querschnitt eines Sammelfruchtkörpers mit aneinandergereihten Perithecien.

Mittlere Kolumne Apikalapparate (amyloid): Oben: In Längssicht (Kanal längs erkennbar) und Quersicht (Kanal im Querschnitt; runder Porus). Unten: Apikalapparat des Ascus erkennbar, darunter die erste der acht Sporen; Ascuswand kaum erkennbar, da sehr dünn; Spore leicht bohnenförmig und beidseits zugespitzt; durch den engen, gewaltig sich dehnenden Kanal wird die erste Spore durch Umstülpen des Apikalapparates ausgeschleudert.

Rechte Kolumne: Oben: Amyloide Apikalapparate und Sporen. Mitte: desgleichen, stärker vergrößert; Sporen noch in Reihe angeordnet (Ausdruck für ihre noch natürliche Lage im Ascus). Unten: desgleichen; stärker vergrößert.

Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen.

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Xylariales, Habiti

Oben: Xylaria polymorpha, Korkige Holzkeule (Xylariaceae)

Autor:  Paffka 

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Links unten: Xylaria hypoxylon, Geweihförmige Holzkeule; (Xylariaceae)

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Rechts unten: Hypoxylon fragiforme (Rötliche Kohlenbeere); (Xylariaceae)

Lizenz:  Creative Commons Attribution 3.0 Germany license; unverändert

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Xylariales, Habiti

Oben: Ustulina deusta, Kretzschmaria deusta; (Xylariaceae)

Autor: Toffel

Lizenz:  GNU Free Documentation License; unverändert

Unten: Diatrype disciformis, Buchen-Eckenscheibchen; (Diatrypaceae)

Autor: Gerhard Koller, Mushroom Observer

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Die evolutiven Prinzipen Abheben vom Substrat und Vergrößerung der reproduktiven Oberfläche; Perithecien als Fruchtkörpergrundtyp (hier bei Xylariales)

Mit den Beispielen Sordaria, Diatrype disciformis, Hypoxlon fragiforme und Xylaria hypoxylon sollen die beiden evolutiven Prinzipen in der Schemazeichnung und mit wirklichen Vertretern dargestellt werden. Diese Strategien verlaufen gemeinsam, um ein höchstentwickeltes Ziel zu erreichen.

Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen (alle Bilder Originale; Reinhard Agerer)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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