zum Glossar mit Abbildungsverweisen über: 

Mixiomycetes, Mischpilze

1 Geburt (AP)

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Am Ende schwillt die Hyphe immer mehr

Unter der hauchdünnen, sie schützenden Decke[1],

Wächst zum Säckchen, zum sich dehnenden Protz,

Bis das hauchdünne Häutchen zerreißt,

Und nach oben sich reckend, wird, was zunächst belanglos erschien,

Zum Ei, zur Keule. Was hat sie nur vor?

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Harmonisch glatt glänzt ihr Äußeres noch,

Doch schon sprießen überall Warzen hervor,

Nehmen an Größe, wie synchronisiert,

Weithin herum gleichmäßig zu,

Bis eine dichte Versammlung, Ei[2] an Ei,

Ohne Lücke die Wand am Ende bedeckt.

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Von innen heraus drückten die Sporen, geformt wie Eier,

Die äußere Schicht zerreißend, ins Freie.

Werden beiläufig vom Wind, von Tieren, genommen, vom Ständer[3] geholt:

Vertragen sie, wenn der Zufall es will, auf eine grünende Fieder.

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Als Hefen[4] wachsen sie, sofern sie genügend Zucker dort finden,

Dringen, sich irgendwie paarend, in das Blatt ein,

Wachsen mit Hyphen, bescheiden sich – oh Glück! –

Mit Räumen zwischen den Wänden.

Der Wirt aber wehrt sich, verdichtet jede Partie:

Mixia[5] genügt aber ohnehin, was dazwischen sie nimmt.

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Nur Osmunda[6], den Königsfarn, will sie als Partner,

Seit mehr als zweihundert Millionen Jahren wohl schon.

Einmal den Partner fürs Leben gefunden,

Blieb Mixia dort, weil mit Garantie erfolgreich damit sie lebt.

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Fußnoten

[1] Cuticula (Plantae): Wachsartiger Überzug, der nur Epidermiszellen von Blättern und jungen Sprossen und anderen der Luft ausgesetzten Geweben ohne Periderm überzieht. Durch ihre hydrophoben Eigenschaften verringern sich die Wasserverluste der Pflanze.

[2] Eiförmige Spore

[3] Basidie

[4] Hefen i.w.S.: Von Fungi (Echten Pilzen) durch Knospung gebildete Einzelzellen unterschiedlichster Form; Knospungsstellen sind als Narben in der Zellwand erkennbar; im weiten Sinne können sie von Ascomycota (Schlauchpilzen) wie von Basidiomycota (Ständerpilzen) gebildet werden; als Hefen in engerem Sinne werden jene der Ascomycota bezeichnet

[5] Mixia osmundae: Königsfarn-Mischpilz; einzige bekannte Art (Mixiales – Mixiomycetes – Pucciniomycotina – Basidiomycota – Dikarya –…)

[6] Osmunda regalis: Königsfarn (Osmundaceae – Osmundales – Osmundopsida – Filicophytina – Pteridophyta s.str. –…)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Mixia osmundae

Oben (Strichzeichnung): links, befallener Wedelteil; rechts: Schnitt durch Fieder, Blattoberseite mit Sporangien (fälschlicherweise Sporen als Inhalt gezeichnet)

Autor: Nishida Toji

Lizenz: Public domain

Unten links: Schema der Entwicklung mit dickwandigen Probasidien (oben) als Zellen einer Hyphe; Keimung als Probasidie mit der etwas dünnerwandigen Metabasidie (darunter), aus der dicht an dicht Sporen knospen (in Wirklichkeit die ganze Metabasidie bedeckend, wodurch der Eindruck entstehen kann, die Sporen entstünden innerhalb der Metabasidie; mit Hefen knospende Sporen (links daneben) und sich daraus entwickelnde Hyphe (darüber), woraus sich die parasitierende Hyphe, später mit Probasidien, entwickelt (darüber).

Unten rechts (Doppelbild): oben Hefeknospung mit aufschülfernder Wand, wie sie typisch ist für die enteroblastische Hefeknospung der Basidiomycota, vergleichbar (darunter) mit einem aus dem Mund geblasenen Luftballon, wobei der Kaugummi die innere Schicht der Mutterzelle darstellen soll. (Für Mixia osmundae nicht gesichert).

Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen; TEM-Aufnahme (Original; Franz Oberwinkler); Modelle (Originale; Reinhard Agerer)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Osmunda regalis; Königsfarn

1 Habitus eines Farnwedels mit fertilem sporangienbildendem Ende. – 2 Querschnitt durch eine sporangientragende fertile Fieder. – 3 Sporangium

Autor: Mentz, Augus

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Mixiomycetes, Mischpilze

2 Bescheiden (AP)

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Ein Relikt[1] aus uralter Zeit liegt mit Mixia[2] vor!

Nur eine Art blieb – vielleicht waren es niemals mehr –

Mit ursprünglichen Merkmalen erhalten,

Auf einen uralten Farn[3] spezialisiert;

Simultan brechen in Hundertzahl

Sporen nach außen enteroblastisch[4] hervor.

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Ihre Zellen im Wirt – oh wie brav sie doch tun! –

Kennen Haustorien[5] nicht, lassen sich einhegen vom Wirt;

Auch Querwände[6] legen sie selten nur ein,

Gestalten die Hyphen fast unkompartimentiert[7] und polyenergid[8].

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Ihr Spindelpolkörper[9] verhält sich zwar basidiomycotenkonform[10],

Zeigt, wie Pucciniomycotina Tellergestalt[11],

Wie bei Rostpilzverwandten

Hält sie ein Bändchen in Position.

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Warum sie bis heut überlebt

Hängt vom Wirt sicherlich ab.

Auch er überdauert seit uralter Zeit:

So leben als Relikte nun sie zu zweit.

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Vielleicht hatte Mixia nur unglaubliches Glück,

Parasit in Königsfarnen zu sein

Und nischte dort als eine von verschwindend wenigen Pilzen sich ein[12].

Wäre von anderen Farnen, auch von Blütenpflanzen, wohl längst vertrieben, perdu[13].

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Fußnoten

[1] Relikt: Organismenart, die in einem Gebiet überlebt hat, dessen Klima sich seit ihrer Hochzeit verändert hat, sodass die ursprünglichen Lebensbedingungen nicht mehr gegeben sind, sie aber in geschützten Nischen (Refugien) überdauern konnte

[2] Mixia osmundae: Königsfarn-Mischpilz; einzige bekannte Art (Mixiales – Mixiomycetes – Pucciniomycotina – Basidiomycota – Dikarya –…)

[3] Osmunda regalis: Königsfarn (Osmundaceae – Osmundales – Osmundopsida – Filicophytina – Pteridophyta s.str. –…)

[4] Enteroblastisch: Bei Sporen-, Hefen- oder Konidienbildung werden nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen

[5] Haustorien, Senker (Pilze): Spezielle Ausstülpungen von Hyphen, die in Zellen fremder Organismen eindringen, dabei aber nicht direkten Kontakt zum Protoplasten bekommen, bleibt doch die Zellmembran der Wirtszellen erhalten; sie vergrößert sich hingegen wenn nötig gar, um den voluminöser werdenden Eindringling zu umhüllen, es werden zudem Zellwandmoleküle des Wirts dazwischen abgelagert, die allerdings unter dem Einfluss des Parasiten dünnschichtig bleiben und sich nicht, wie für eine Zellwand typisch wäre, geregelt ordnen. Über diese Haustorien werden Substanzen dem Protoplasten entnommen

[6] Septum (Algen, Pilze): Querwand eines einzellreihigen Fadens, eines Trichoms, eines Zellausläufers, einer Hyphe

[7] Siphonal oder siphonocladal

[8] Polyenergid: vielkernig

[9] Spindelpolkörper als Mikrotubuliorganisationszentrum: Elektronendichte Körper besonderen Baus, dienen bei Rhodophyta, Bacillariophyceae und Unbegeißelten Chitinpilzen der Kernteilung; an ihnen setzt die Kernteilungsspindel an, um Chromosomen in die Tochterkerne zu ziehen

[10] Spindelpolkörper (Basidiomycota): Liegt während der Interphase in Zwillingstruktur vor, wobei die beiden Teile mit einem Mittelstück („Bändchen“) verbunden sind; im Zuge der Kernteilung separieren sich die beiden Teile, wandern zu den Kernpolen und wirken als MTOCs; nach der Kernteilung wird jeweils der Zwillingsteil de-novo gebildet, so dass wieder eine Zwillingsstruktur vorliegt.

[11] Spindelpolkörper (Pucciniomycotina): In Interphase mit zwei Scheiben, die geschichtet und mit einem Mittelstück verbunden sind; separieren sich im Zuge der Kernteilung, Neubildung des Partners nach der Telophase

[12] Einnischen: Ein Organismus, der sich allmählich in einer neuen ökologischen Nische ausbreitet

[13] Perdu: verloren

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Endpunkt erreicht!