zum Glossar mit Abbildungsverweisen über: 

Heterogastridiales, Zwittersporige

1 Schönheit besonderer Art

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Obwohl sie alle zur selben Ordnung[1] gehören,

Sequenzen befragter Gene legen dies fest,

Auch der Besitz von Colacosomen[2],

Fehlende Organelle um den einfachen Querwandporus,

Möchte wohl niemand – so unterschiedlich geben sie sich –

Auf ihre enge Verwandtschaft schließen.

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Viele derzeit bekannte Arten leben nur als Hefen[3],

Sprossen, schießen gelegentlich Tochterzellen weg,

Formen bisweilen hyphenähnliche Schläuche

Durch Verlängern eiförmig gestalteter Zellen

– Einige zeigen Colacosomen an ihrer Wand –

Kaum ein paar umwinden Hyphen von Wirten und halten sie fest.

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Eine ausnehmend hübsch gestaltete Ausnahme bildet Heterogastridium,

Mit zweckmäßigen Fruchtkörpern unübertrefflicher Art:

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Ein ebenmäßiges Bäuchlein mit grazil-zierlichem Hals,

Nach oben hin offen mit leicht nach außen gebogenem Kragenkranz,

Zum Halt am Grund mit Hyphen substratnah locker verbunden.

Wirtshyphen tragen an ihnen gewaltige Last,

Liefern sie doch erheblich Tribut für den prächtigen Bau,

Der sich, wandumhüllt, mit Basidien[4] und zweierlei Sporen im Innenraum schmückt.

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Von Grund auf zu Kandellabern[5] mehrfach verzweigt

– Unter den Septen wachsen ein, zwei, oder drei Ästchen hervor –

Um der Endzellen Menge, sie übernehmen entscheidende Rollen,

Rasch auf engstem Raum zu erhöh’n:

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Erreichen die einen die Mitte der Rundung,

Schwellen sie an, zieh‘n sich gut in die Länge,

Teilen sich kurz nacheinander in vier hintereinander liegende Zellen

– Karyogamie[6] und Meiose[7] waren dafür der Grund –

Treiben weit oben an jeder der Zellen ein kürzeres Ding,

Das distal sich zum Köpfchen erweitert, nachdem es erschien.

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Zu wenig hübsch noch sind sich die Sporen!

Drei Finger will das Köpfchen sich geben;

Wachsen schlank, doch weniger lang als ihr Hals,

Leicht schräg erhoben nach außen hervor.

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Ihren Inhalt drückte die bildende Zelle mehr und mehr,

Damit sie vom Kostbaren ja nichts verliert,

In den fast schon fertige, nun vierfingrigen Zweig;

Der trennt sich basal,

So tief es nur geht,

Von ihrer Zellmutter mit einer Querwand ab.

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Die Querwand spaltet sich – der Spore unteres Ende wird rund –

Mitten entzwei, löst sie vom Bildungsort ab;

Sie treibt nach oben, von unten drücken viele schon nach,

Verlässt den schleimvollen Hals und wartet

Bis sie ein Sechsbeiner[8] nimmt

Oder ein fallender Tropfen verspritzt.

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Vielleicht fallen sie gar ins Wasser,

Denn dafür bauten sie auftriebsstark vor:

Vier Auswüchse – Hals und drei Finger – hielten sie gut in der Schwebe

Bis sie geeignete Orte mit Wirtshyphen fänden.

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Als Musterschüler der Evolution

– Dieses Eindrucks kann man sich fast nicht erwehren –

Setzen auf zwei Karten sie ihr Glück:

Formen an anderen Hyphen Propagulen[9] asexuell[10],

Ziehen zwei Querwände ein,

Verdicken der mittleren Zelle Wand,

Lassen die äußeren unverdickt.

Wofür wohl lässt sich leicht denken:

Damit die äußeren beiden mit Hyphen bald keimen,

Die dickwandige bleibt als Reserve besteh‘n. –

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Heterogastridium[11] blieb als Reminiszenz bis heut an lang Verflossn’es erhalten

– Auf sein wirkliches Alter weisen Sequenzen[12] nur hin

Kein Abdruck im Stein, zu flüchtig, zu klein. –

Ein Viertel Millimeter nur hoch, ist er dennoch

Ein Lehrstück für die Bezweifler der Evolution:

Des Fruchtkörpers[13] Hülle schützt die Bildung der Sporen

Vor Trockenheit und von außen vor Angriff;

Zwei Typen von Sporen, sexuell[14],[15] und asexuell[16],[17] entstanden,

Streuen mit hochdiversen Strukturen,

Des Pilzes Risiko, über- und nicht abzuleben[18]:

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Zwei Strategien dem Leben am Wasser zur Folge

Verwirklichen sie als ein und dieselbe Art,

In ein und demselben Fortpflanzungsbehälter[19]:

Tetraradiär[20] im Wasser zu schweben[21] oder vielleicht mit

Abgestorbenen äußeren Konidienzellen zu schwimmen als Luftpolsterboot![22] –

Gründe genug, um heut noch zu leben!

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Wer möchte schon die Rafinesse vergessen,

Als Schmarotzer[23] auf Kosten von Wirten[24] zu leben,

Auf ihre Weise, sich an ihnen zu halten,                                   

Sich zu nehmen, was und wie es ihnen beliebt?SL

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Fußnoten

[1] Ordnung (der Organismen): Hierarchische Ebene zwischen Familie und Unterklasse

[2] Colacosom (Cryptomycocolacaceae): Eine Struktur ähnlich einem Haustorium wird vom Parasiten in die eigene Zelle (Cryptomycocolacaceae) getrieben; daraufhin durchlöchert der Parasit mehrfach seine und die Zellwand des Wirts, lässt das Plasmalemma des Wirts aber intakt; scheidet eine im TEM dunkel kontrastierende Substanz in diese Behälter, die offenbar der Aufnahme von Nährstoffen aus dem Wirt dienen

[3] Basidiomycetoide Hefenbildung: Enteroblastische Hefenbildung, wobei nur die inneren Zellwandschichten der bildenden Zelle zur Bildung der neuen Zellwand herangezogen werden

[4] Basidien: Ständer, auf denen sexuell gebildete Sporen entstehen:

[5] Basidienkandellaber: Über kurze Verzweigungen zusammengehaltene, von einer einzigen Hyphe ausgehende kandellaberartige, dichte Anordnung von Basidien

[6] Karyogamie: Verschmelzung zweier haploider Zellkerne; abgekürzt K!

[7] Meiose, meiotisch: Meiose dient der Reduktion eines diploiden Chromosomensatzes zu haploiden Sätzen. Dabei werden einander entsprechende Chromosomen, im Kern sich dann mittig in einer Ebene gegenüberstehend, gepaart und anschließend in entgegengesetzter Richtung („polwärts“) separiert. Dieser Vorgang wird auch als Reduktionsteilung (oft abgekürzt als R! und zugleich stellvertretend für die ganze Meiose verwendet) bezeichnet. Da die voneinander getrennten haploiden Chromosomen schon zu Chromatiden verdoppelt sind, schließt sich an die Reduktionsteilung noch eine mitotische Teilung an, so dass vier haploide Kerne letztlich vorliegen; abgekürzt mit R!

[8] Hexapoda: Insekten (Tetraconata – Mandibulata – Arthropoda – Panarthropoda – Ecdysozoa –…)

[9] Propagulen: Allgemeine Bezeichnung für Verbreitungseinheiten

[10] Asexuelle Vermehrung: Rein mitotisch bedingte Vermehrung, daher Individuen genetisch identisch

[11] Heterogastridium: Verschiedenbäuchler (Heterogastridiales – Microbotryomycetes – Der moderne Rest – Pucciniomcotina – Basidiomycota –…)

[12] Basensequenzen: Abfolge der Nucleobasen A, T (U), C, G in der DNA (RNA)

[13] Fruchtkörper (Fungi): Komplexe Hyphengeflechte, die Überdauerungsorgane, Konidien oder Sporangien enthalten oder diese oberflächlich tragen

[14] Sexuelle, geschlechtliche Fortpflanzung: Dafür sind drei Vorgänge miteinander gekoppelt, Meiose (abgekürzt mit R!), Plasmogamie (Zellen vereinen sich, abgekürzt mit P!) und Karyogamie (Kerne verschmelzen, abgekürzt mit K!) verbunden, wobei P! und K!, mit Ausnahme bei Dikarya, unmittelbar aufeinander folgen. Bei Dikarya (Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya) sind beide Vorgänge unterschiedlich lang (weit) voneinander getrennt. Da bei Animalia und Plantae P! und K! unmittelbar aufeinander folgen, werden beide Vorgänge häufig zu Befruchtung (B!):

[15] Basidiosporen: Von Basidiomycota, von Ständerpilzen, nach außen gebildete Meiosporen

[16] Asexuell entstanden

[17] Konidie: Asexuell und nach außen gebildete Verbreitungseinheit, die mit einer Hyphe oder hefeartig keimt

[18] Risikostreuen:

[19] Fruchtkörper

[20] Tetraradiär: Körper, dessen Strukturen nach vier Richtungen orientiert sind

[21] Als sexuell gebildete Basidiospore

[22] Als dreizellige Konidie mit zwei terminalen luftgefüllten, toten Zellen

[23] Schmarotzer, Parasit: Ein Organismus lebt auf Kosten eines anderen

[24] Wirt (Parasiten, Symbionten): Opfer eines Parasiten, Partner eines Symbionten

SL Oberwinkler F, Bauer R, Bandoni RJ (1990) Heterogastridiales: a new order of basidiomycetes. Mycologia 82: 48-58.

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Heterogastridium pycnidioideum

Linke Bildhälfte: Mikroskopische Darstellung des pycnidenartigen Fruchtköpers auf zweierlei Weisen, getrennt nach Konidienbildung (asexuelle Vermehrung, links unten; weiß) und Basidiosporenbildung (sexuelle Fortpflanzung, rechts oben; gelb); beide Weisen sind jedoch in ein und demselben Fruchtkörper vereint. Die separate Darstellung ermöglicht aber eine bessere Auflösung der beiden Vorgänge.

Links unten: Asexuelle Vermehrung. Konidienträger mit Konidien. Die nur einmal und holoblastisch gebildet werden. Meist zwei Querwände teilen die Konidien in eine mittlere etwas dickerwandige Zelle und zwei dünnwandige terminale Zellen.

Rechts oben: Sexuelle Fortpflanzung. Im Zentrum des Fruchtkörpers lassen sich querseptierte Basidien erkennen, deren Zellen im oberen Bereich tetraradiate Sporen mit verlängerter Basis bilden; in unterschiedlichen Entwicklungsstadien dargestellt. Reife Basidiosporen werden durch den Hals des Fruchtkörpers gedrückt und sammeln sich an seiner Mündung an. Septenarme Hyphen bilden das Rund des Halses und spreizen sich zuspitzend radiär an der Mündung nach außen.

https://link.springer.com/journal/11557; Titelblatt der Zeitschrift

Autor der detaillierten mikroskopischen Zeichnungen: Franz Oberwinkler

Lizenz: Titelblatt der Zeitschrift; public domain

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Endpunkt erreicht!