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Hyaloscyphaceae, Hyalinbecherlinge

1 Ericoide Mykorrhiza (TP)

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Dort, wo kaum Konkurrenten die Gegend belegen,

Löst er[1] Stickstoff, gepanzert mit vielen Phenolen[2],

Aus Nadeln und Blättchen, die sich als solche gerierten

Und nun, auch sie mussten, unwillig zwar, von Zweigen sich lösen,

Unter Bäumen und Sträuchern noch längere Zeit

Bis ihre Schönheit dahin, den Boden verzieren.

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Geht mit Enzymen[3] und Säuren lösend voran,

Nimmt, was andern der Mühe nicht wert,

– Auch des fehlenden Könnens wegen ihnen verwehrt –

In des Bodens phenolisch-toxischer[4] Suppe ungestört lebend;

Baut seine bohrenden Hyphen[5] zum alles durchziehenden Netz

Und trifft – wie konnte es anders auch sein? –

Der degradationsresistente Blättchen abwerfenden Pflanzen

Fädige, hauchdünne Wurzeln[6] dabei.

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Auch sie[7] leiden, nachdem in die Ödnis gedrängt,

Unter der grässlich mageren Kost;

Verdicken nicht ihre Wurzeln, um sie

Mehr zu verzweigen dafür, sie mehr in die Länge zu zieh‘n.

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Nur wenige, aber riesige Zellen umgeben die Wurzel[8].

Findet sie nichts, wird ihr das Leben zu hart,

Schließt sie im rückwärtigen Wurzelraum mit Phenolen sie ein,

Um an der Front neu ihr Glück zu versuchen.

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Rhizoscyphus, der Phenolspezialist, findet den Zugang,

Wächst in die Zellen kurz hinter der Wurzel Front,

– Die dickerwandigen, hochimprägnierten Zellen lässt er links liegen –

Überwindet, gelegentlich nur, die weithin ihm folgende Wand.

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Hohle Zäpfchen, er mittendrin,

Steh’n als Zeichen erfolgreicher Abwehr;

Nur wenn er[9] all seine Ressourcen mobilisiert,

Startet zum Zellinnern er durch.

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In einzelne, randliche Zellen nur lassen sie[10],[11],[12],[13] ihn treten,

Halten ihn vom Zentrum des Lebens zurück;

Plasmalemma[14] schicken sie, ihn hüllend, entgegen,

Doch Wandmaterial, ihn zu ummauern entgegengeschickt,

Lässt er[15] – nur wenig ist’s – kaum nah an sich kommen,

Verhindert, sie können‘s nicht ändern, ihm einhaltgebietenden Bau.

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Lassen ihn schließlich gewähren.

Er nutzt die Großzügigkeit aus!

Verzweigt seine Hyphen, durchwuchert die Zelle,

Nimmt Zucker[16] zu seinem Gebrauch.

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Sie weigern sich aber, ihm eine Dauerkarte zu geben!

Nur für diese eine Zelle gilt die Erlaubnis.

Will er an weiteren Stellen zu ihnen,

Muss er von außen neu an sie ran,

Von Rhizodermiszelle zu Rhizodermiszelle im Innern marschieren

Wäre ihm lieber, doch das erlauben sie nicht.

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Rhizoscyphus ericae nennt sich der durchsetzungsfähige Pilz,

Der als einziger seiner Verwandtschaft, soweit dies bekannt,

Den halbherzig gewährten Zutritt mit Ausdauer fand;

Doch, weil vier Unterfamilien[17] dieser Pflanzenverwandtschaft[18]

Ihm solche Privilegien, er wird aber liefern müssen, gewähren,

Kommt er damit im Leben zurecht.

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Fast alle zeigen der Wurzeln besonderen Bau:

Haarwurzeln – Wurzeln so dünn wie Haare –

Rhizodermis mit wenigen Riesenzellen rundum,

Kleine, kaum auffallende Rindenzellen,

Mit dichter Endodermis[19], wie üblich,

Als Stoppsignal für diesen Pilz.

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Fußnoten

[1] Rhizoscyphus ericae: Erikas Wurzelbecher (Hyaloscyphaceae – Helotiales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[2] Phenolische Verbindungen: Moleküle aus mindestens einem aromatischen Ring (Ring aus sechs Kohlenstoffatomen, mit konjugierten Doppelbindungen, d.h. abwechselnde Doppel- und Einfachbindungen knüpfen die Kohlenstoffatome aneinander) und daran hängenden Seitengruppen; wovon zumindest eine davon eine [–OH]-Gruppe oder eine modifizierte, z. B. [–OCH3]-Gruppe, ist.

[3] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, Synthese oder Abbau katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen

[4] Phenolisch-toxisch: Bodenlösungen mit hochkonzentrierten phenolischen Verbindungen, die normalerweise toxisch auf Pflanzen wirken

[5] Hyphen (Pilze): Einzellreihige, zellwandumgebene Fäden von Pilzen mit Spitzenwachstum, mit oder ohne Querwände

[6] Haarwurzeln (Einge Unterfamilien der Ericaceae; nicht Wurzelhaare!): Haardünne, im Querschnitt wenigzellige Wurzeln, bei denen besonders die großen, nur in geringer Zahl vorhandenen Rhizodermiszellen auffallen

[7] Ericaceae: Heidekrautgewächse i.w.S. (Ericales – Asterdiae – Superasteridae – Eudicotyle – Dicotyle –…)

[8] Rhizodermis: Einzellschichtiges Abschlussgewebe von Wurzeln; entspricht der Epidermis oberirdischer Pflanzenteile

[9] Rhizoscyphus ericae

[10] Ericoideae: Heidekrautgewächse i.e.S. (Ericaceae – Ericales – Asterdiae – Superasteridae – Eudicotyle –…)

[11] Vaccinioideae: Heidelbeergewächse (Ericaceae – Ericales – Asterdiae – Superasteridae – Eudicotyle –…)

[12] Cassiopoideae; nicht separat behandelt (Ericaceae – Ericales – Asterdiae – Superasteridae – Eudicotyle –…)

[13] Stypelioideae; nicht separat behandelt (Ericaceae – Ericales – Asterdiae – Superasteridae – Eudicotyle –…)

[14] Plasmalemma: Zellmembran (Lipiddoppelmembran) von Organismen; wird oft als Gegenstück zum Tonoplasten betrachtet, der im Zellinneren eine größere Saftvakuole umgibt

[15] Rhizoscyphus ericae

[16] Glucose, Traubenzucker: Ringförmiger Zucker mit sechs [C]-Atomen [C6H12O6]; der Ring besteht aus fünf [C]-Atomen und einem Sauerstoffatom; das restliche [C]-Atom hängt als [–CH2OH]-Gruppe an einem dem Sauerstoff benachbarten [C]-Atom; vier [–OH]-Gruppen stehen an [C]-Atomen des Rings, wobei [–CH2OH]  und die dem Sauerstoff benachbarte [–OH]-Gruppe in gleicher Richtung stehen, alle anderen wechseln sich richtungsmäßig ab

[17] Ericoideae, Vaccinioideae, Cassiopoideae und Stypelioideae

[18] Ericaceae

[19] Endodermis: Bildet einen Zylinder um das Leitbündelsystem der Wurzel. Die radial orientierten Zellwände der endodermalen Zellen enthalten eine wasserundurchlässige Schicht aus Lignin, Fett und Suberin, die verhindert, dass Wasser und die darin gelösten Stoffe unkontrolliert über die Radialwände in die Leitbahnen diffundieren können. Sie können dann nur durch die Zelle diffundieren oder transportiert werden

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Ericoide Mykorrhiza (Original; Reinhard Agerer)

Hintergrundbild: Calluna-Heide; Calluna vulgaris (Besenheide)

Links, Schemazeichnung und Beschriftung: große Rhizodermiszellen der Haarwurzeln, gefüllt mit intrazellulären Hyphen (iH); davon abgehende, bzw. die Zellen je einzeln kolonisierende Hyphen (aHy), Zellwand der Durchtrittsstellen etwas verdickt; zwei nicht kolonisierte Rindenzellschichten, darunter Endodermis, anschließend Zentralzylinder. – Die ericoide Mykorrhiza ist eine endotrophe Mykorrhiza, kolonisieren die Hyphen doch das Innere der Zellen, und zwar, ohne die Plasmalemmaschranke zu durchbrechen. – Die einzige definitiv als ericoider Mykorrhizapilz entlarvte Art ist Rhizoscyhus ericae s.l., die vermutlich aus mehreren Arten besteht. – Als ericoide Mykorrhiza tragende Verwandtschaften sind die Ericaceen-Unterfamilien Ericoideae, Vaccinioideae, Cassiopoideae und Stypelioideae bekannt. Empetraceae (Krähenbeerengewächse) und Clethraceae (Scheinerlengewächse), früher als eigenständige Familien anerkannt, gingen nach molekularbiologischen Studien in Cassiopoideae und Stypelioideae auf.

Rechts oben: Aufsicht auf Rhizodermis mit hyphengefüllten Zellen; gefärbt mit Baumwollblau

Eigenem Vorlesungsmanuskript entnommen.

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Bodenlösungen unter Calluna vulgaris

Jalal & Read (1983)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Verschiedene phenolisch-toxische Verbindungen in Heideböden (ppt; Reinhard Agerer)

Links oben: Benzoesäure. – Mitte oben: p-Hydroxy-Benzoesäure. – Rechts oben: p-Methoxy-Benzoesäure. – Links unten: Salicylsäure. – Mitte unten: Vanillinsäure. – Rechts unten: Syringasäure (Syringinsäure).

Kohlenstoff: grau. – Sauerstoff: rot. – Wasserstoff violett. Einfachbindungen: feiner grüner Strich; Doppelbindungen: breiter grüner Strich.

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Wirkung ericoider Mykorrhiza (Myc +) im Vergleich zu ohne Mykorrhiza (Myc –) auf das Wachstum von Sämlingen von Calluna (Reihen 1 und 2), Vaccinium (Reihen 3 und 4) und Rhododendron (Reihen 5 und 6) bei Zugabe von toxischen Metallen (Cu, Kupfer; Zn, Zink) unterschiedlicher Konzentrationen (ppm, part per million).

Je linke Spalte (linke und rechte Hälfte) jeweils ohne Zugabe der Metallionen, 2., 3., 4. und 5. Spalte Zugabe in gesteigerten Konzentrationen. Größe der Sämlinge zeigt das beeinflusste Wachstum an, Intensität des Grüns ihr Ergrünen unter den vorgegebenen Bedingungen.

  • Mit Mykorrhiza ergrünen die Sämlinge grundsätzlich stärker (besser) im Vergleich zu Sämlingen ohne Mykorrhiza.
  • Mit Mykorrhiza wachsen die Sämlinge unter Metallionenbelastung besser und ergrünen stärker
  • Höhere Konzentration wirken sich meist stärker negativ aus

Schlussfolgernd lässt sich feststellen: negative Einflüsse von toxischen Metallen, die bei niedrigen pH-Werten besonders stark in der Bodenlösung vorhanden sind, ermöglicht ericoide Mykorrhiza noch ein, wenn auch eingeschränktes, Wachstum.

Nach Read (1983)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Vorkommen und Verbreitung der Mykorrhiza-Klassen: Arbusculäre Mykorrhiza, Ektomykorrhiza und Ericoide Mykorrhiza

Die Horizontale des Diagramms zeigt von rechts nach links zugleich zweierlei: Zunahme der geographischen Breite (von äquatorialer bis zur polaren Region) und Zunahme der Höhenlage (vom Meeresspiegel bis in die nivale Region der Gebirge), koppelt mit verschiedenen wachstumsbeeinflussenden Faktoren der mit Mykorrhiza versehenen Pflanzen, wobei die Höhenzunahme als Schräge dargestellt ist.

Die linke Kolumne gibt verschiedene Parameter an, die sich, bezogen auf geographische Breite und Höhenlage, ändern; im Diagramm selbst werden die Veränderungen bezüglich Wachstumsbedingungen und Mykorrhiza-Klasse angegeben und in Wort und Bild dargestellt.

Bezüglich Höhenbereiche (1. Zeile von oben) gliedert sich die Vegetation (von rechts nach links) grob in „Grasland“, „Nadelwald/Laubwald“, „alpine Heiden“ und „nival“, was, bezogen auf

Geographische Breite, was in etwa (2. Zeile von oben) „Grasland und Regenwald“, „Laubwerfender Wald mit krautigem Unterwuchs“ mit Übergang zu „Borealem Nadelwald mit krautigem Unterwuchs“ entspricht und „Arktische Tundra mit Heide-Unterwuchs“, „Polar“ mit Flechten und Moosen.

Dementsprechend ändert sich auch der Bodentyp (3. und 4. Zeile von oben): „Grasland-Böden oder tropische Böden, oft sandig und semiarid“ zu „Braunen Waldböden“ über „Mull“ (unter laubwerfenden Wäldern) zu „Moder“ (unter Nadelwäldern). In arktischer Tundra treffen wir hauptsächlich „Rohhumusböden“ (dicke, braune Schicht), die auch in ungünstigen (niedere Temperaturen) Nadelwaldbereichen vorkommen können.

Laubbäume, Kräuter, Nadelbäume und Ericaceen verteilen sich entsprechend (s. Zeichen für die genannten Pflanzen (5. Zeile der Kolumne von oben).

Die überwiegenden Stickstoffformen (6. Zeile der Kolumne von oben) wandeln sich von NO3– (rechts) über NO3– und NH4+ (links daneben) zu NH4+ (links daneben) zu den inerten organischen Stickstoffverbindungen, deren Sticksoff kovalent gebunden ist. Diese Reihe ist im Wesentlichen abhängig vom pH des Bodens; Nitrat liegt nur bei höherem pH vor, Ammonium bei niedrigem; Temperatur und kurze Vegetationsperioden lassen organisch gebundenen Stickstoff nicht ausreichend Zeit, dass Stickstoff mikrobiologisch in NH4+ übergeführt wird.

Diese Phosphat- und Stickstoffverfügbarkeit, beeinflusst das hauptsächliche Vorkommen der Mykorrhizen-Klassen, Arbusculäre Mykorrhiza, Ektomykorrhiza und Ericoide Mykorrhiza (7. Zeile der Kolumne von oben); wobei Ericoide Mykorrhiza mit wenigen Ausnahmen nur in Böden stark sauren pHs vorkommt und damit meist in organikreichen Rohhumusböden. Damit korreliert ist die Ausprägung und Dichte des externen vegetativen Mycels, das Wurzel und Boden verbindet (8. Zeile der Kolumne von oben).

Damit ergeben sich (von rechts nach links; 9. Zeile der Kolumne von oben) für die Pflanzen als hauptsächlich wachstumslimitierend P, N oder P, bzw. ausschließlich N.

Die Mykorrhizen-Klassen Monotropoide Mykorrhiza, Arbutoide Mykorrhiza und Orchideen-Mykorrhiza sind in diesem Schema nicht berücksichtigt.

Nach Read (1984)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Hyaloscyphaceae, Hyalinbecherlinge

2 Der Deal (TP)

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Der Pilz sucht[1] – was sollte er anderes wollen? –

Der Pflanze Glucose, die er gern nimmt.

Auch sie hält sich, Rückgeld zu nehmen, bestimmt nicht zurück,

Zu nehmen, was er mit feinstem Geschick

Aus ihren abgestorbenen Wurzeln und Blättern geholt:

Bekommt so von ihm wieder, was ihr einstens gehört.

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Fest umschlossen von Lignin[2] und Phenolen[3],

Liegen Protein und Phosphat;

Er hat die Mittel, die Schlösser

Mit speziellen Enzymen[4],

– Säureresistent[5], von Phenolen[6] verschont –

Erfolgreich zu knacken,

Mit justierten Transportern[7], Aminosäuren und Ionen

In seine Hyphen zu schaffen.

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Sie nimmt ihm von seinen Erträgen.

Wie ihr dieses gelingt,

Bleibt weiter haarklein zu klären.

Sie aber wächst, legt kräftig an Fruchtertrag zu,

Erhöht erheblich Gehalt und Konzentration von

Stickstoff und von Phosphat.

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Auch andere Nährstoffe holt sie von ihm,

Die in sauren Böden kaum erreichbar für sie, oft stark komplexiert[8],

Oder von Regen in tiefer gelegene Schichten geschwemmt;

Er führt sie in Hyphen, sie nimmt sie ihm fort.

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Hoher Säurekonzentration der Böden geschuldet,

Liegen auch toxische Ionen[9] den Wurzeln zum Schaden in Lösung bereit:

Hielte der Pilz nicht Blei, Kupfer und Zink,

An intimsten Stellen der Symbionten[10] zurück,

Oder schied er Arsen nicht umgehend aus,

Litten erwachsene Pflanzen und Sämlinge stark unter Gift,

Stürben bevor sie die Wurzeln im Boden versenkt. –

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Weltweit lebt er mit Haarwurzelträgern[11] zusammen;

Denkt nur an sich selbst, hilft ohne Absicht den andern damit,

Bedrängendem Grünzeug sich zu entzieh‘n,

Mit Rhizoscyphus‘ Hilfe dorthin zu flieh‘n,

Wo Nährstoff in Fülle verborgen, doch andern,

Fehlt ihnen der richtige Partner, für immer verschlossen bleibt.

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Rhizoscyphus agiert oft weit und breit

Allein auf Heiden[12], in Tundren[13] und Blaubeerenwald[14];

In weniger widerwärtigen Böden unterstützt und manchmal ersetzt

Durch Sebacina[15], der Basidiomycoten[16] ursprünglichen Pilz.

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Nimmt der Finder DNA-Sequenzen-Vergleiche

Und Ascomycoten-Fossilien[17] als Kalibrierung zu Hilfe,

Datiert er der ericoiden Mykorrhiza[18] Entstehung

Im Gleichklang mit der Ericaceen Evolution[19],

Auf etwa einhundertvierzig Millionen Jahre zurück,

Und sieht in ihren Pilzen der Ericaceen Erfolg den Grund.

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Er selbst hat sich, anpassungsfähig im Verlauf der ihn fordernden Zeit,

Durch seiner Gene variablen Bestand

– Angepasst durch der Substrate[20] feindliche Vielfalt –

In unterschiedliche, schwermetallionenverträgliche[21] Sippen differenziert.

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Fußnoten

[1] Rhizoscyphus ericae: Erikas Wurzelbecher (Hyaloscyphaceae – Helotiales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[2] Lignin: Eine äußerst stabile und resistente, aus vielen phenolischen Verbindungen zusammengesetzte, daher braune Raumnetzstruktur aus p-Cumarylalkohol, Coniferylalkohol und Sinapylalkohol wechselnder Anteile; eine Substanz, die nur bei Tracheophyta (Stelenpflanzen i.w.S.) vorkommt

[3] Phenolische Verbindungen: Moleküle aus mindestens einem aromatischen Ring (Ring aus sechs Kohlenstoffatomen, mit konjugierten Doppelbindungen, d.h. abwechselnde Doppel- und Einfachbindungen knüpfen die Kohlenstoffatome aneinander) und daran hängenden Seitengruppen; wovon zumindest eine davon eine [–OH]-Gruppe oder eine modifizierte, z. B. [–OCH3]-Gruppe, ist.

[4] Enzym: Protein, das, an spezielle Moleküle angepasst, Synthese oder Abbau katalysiert. Meistens werden mehrere Enzyme zu einem Komplex verbunden, um eine räumliche Nähe zwischen den einzelnen, aufeinanderfolgenden Syntheseschritten herzustellen

[5] Säuretolerant: Organismen, auch Enzyme, die niedrige pH-Werte tolerieren

[6] Denen phenolische Verbindungen nichts anhaben können

[7] Transporterproteine: Transmembranproteine, die die Lipiddoppelmembran von Zellen oder Organellen vollständig durchspannen. Sie besitzen hydrophobe Bereiche zur Verankerung im Membraninneren sowie hydrophile Domänen, die auf beiden Seiten in die wässrige Umgebung ragen.  

[8] Komplexe Moleküle: Moleküle, in denen ein zentrales Metallatom über chemische Bindungen an umgebende Nichtmetallatome oder Atomgruppen gebunden ist 

[9] Toxische Ionen: Plei (Pb), Kupfer (Cu), Zink (Zn), Arsen (As)

[10] Interfaziale Matrix, Interspace, Zwischenraum (Endomykorrhiza, Haustorium): Raum zwischen Pilzzellwand und dem Plasmalemma der Pflanze, der nur mit kaum organisiertem Zellwandmaterial der Pflanze gefüllt ist

[11] Haarwurzeln (Einge Unterfamilien der Ericaceae; nicht Wurzelhaare!): Haardünne, im Querschnitt wenigzellige Wurzeln, bei denen besonders die großen, nur in geringer Zahl vorhandenen Rhizodermiszellen auffallen

[12] Heide: Offenes, oft unfruchtbares und sandiges Gebiet mit nährstoffarmen Böden. Typisch ist der Bewuchs mit Zwergsträuchern wie dem Heidekraut (Erica) oder Besenheide (Calluna)

[13] Tundra: Baumlose Vegetationszone in der polaren und subpolaren Klimazone. Sie ist durch extrem niedrige Temperaturen, kurze Vegetationsperioden und den sogenannten Permafrostböden (dauerhaft gefrorener Boden) gekennzeichnet. Die Vegetation beschränkt sich auf niedrige Pflanzen wie Moose, Flechten, Gräser i.w.S. und Zwergsträucher

[14] Blaubeeren, Heidelbeeren: Vaccinium spp. (Vaccinioideae – Ericaceae – Ericales – Asteridae – Superasteridae –…)

[15] Sebacina spp.: Kalkpilze (Septobasidiales – Phragmobasidiale Serie – Agaricomycetes – Agaricomycotinat – Basidiomycota –…)

[16] Basidiomycota: Ständerpilze (Dikarya – Unbegeißelte Chitinpilze – Fungi – Opisthokonta – Eukarya)

[17] Perithecium, Krugförmiger Fruchtkörper, (Pezizomycotina): Bauchig-flaschenförmiger Fruchtkörper (wie eine Chianti-Flasche) mit enger Mündung, durch die sich streckende Asci Sporen in die Umwelt schießen, oder durch die im Innern abgeschossene Sporen allmählich nach außen gedrückt werden

[18] Ericoide Mykorrhiza: Endomykorrhiza der Ericaceae mit Haarwurzeln, wovon ausschließlich die wenigen, großen Rhizodermiszellen und je einzeln von außen besiedelt werden.

[19] Molekulare Uhr: Bezeichnung für eine Methode der Genetik, mit der anhand von DNA-Sequenzierungen der Zeitpunkt der Aufspaltung zweier Arten von einem gemeinsamen Vorfahren abgeschätzt wird. Je mehr Mutationen (Unterschiede in den DNA-Sequenzen) nach einer Aufspaltung entstanden sind, desto länger war vermutlich die Evolutionsdauer seit diesem Zeitpunkt. Schwierig ist es, die Mutationsrate zu bestimmen und damit die Laufgeschwindigkeit der molekularen Uhr zu ermitteln. Zumeist werden Mutationsraten für ganze Organismengruppen gemittelt, um einen Richtwert zu erhalten. Zur Kalibrierung des Alters der Verzweigungen im ermittelten molekularen Stammbaum werden, sofern verfügbar, Fossilien, die den Organismen der Verzweigungsstellen vermutlich entsprechen, verwendet, deren ungefähres Alter bekannt ist. Große Schwankungen für die Zeitangaben der Organismenaufspaltung in zwei eigenständige Verwandtschaften sind daher nicht verwunderlich. Sie werden in den entsprechenden Diagrammen oft als Dutzende Millionen Jahre überspannende Balken angeben.

[20] Substrat: Allgemeine Bezeichnung für feste, unterstützende, tragende oder nährende Substanz

[21] Schwermetalle: Hierzu zählen Zink, Eisen, Mangan, Kupfer, Blei, Cadmium, Quecksilber, u. a.; einige wirken zumindest in hoher Konzentration giftig, andere sind in geringer Konzentration lebensnotwendig

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Haloscyphaceae, Hyalinbecherlinge

3 Unscheinbar

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Wie fast alle seiner Familie Glieder,

Ist er[1] an Hölzchen, an Streu, zumeist dem Auge verborgen.

Greift der Naturfreund, gezielt danach suchend,

Nicht aus Erfahrung zu seiner Lupe

Und sammelt zusammen mit der Apothecien[2] möglichen Sitz[3],

Den nicht einmal zwei Millimeter messenden Pilz,

So wird er vergebens nach dem Wertvollen jagen.

Doch David Read[4] gelang der glückliche Griff:

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Ein paar Hyphen zeigt er als Haare am Rand,

Paraphysen[5], kaum auffällig differenziert,

Zwischen Asci mit amyloidem[6] Ring und

Farblose, rundlich-ellipsoide Sporen.

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Selten dienen Anamorphe[7] der Familie, sich schnell fast überall hinzuverbreiten

Dort als Saprotrophe[8] meist zu siedeln,

Vielleicht als Fruchtkörperrasen in dichter Versammlung;

Nur falls weiß ihre Körper, fallen sie auf.

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Eine bewegte Geschichte hat diese Art bereits hinter sich,

Bestimmt seiner Selten- und Kleinheit verdankt:

Als Pezizella ericae von David Read, dem Mykorrhizologen[9], beschrieben,

Wurde er bald zu Hymenoscyphus umkombiniert[10],

Bis man für ihn die Gattung Rhizoscyphus kreierte,

Anschließend war Pezoloma sein Hort,

Am Ende landete Ericae[11] in Hyaloscypha;

Heute wird er als Synonym zu Hyaloscypha hepaticula[12] betrachtet,

Und endgültig zu Hyaloscyphaceen und

Nicht mehr zu Helotiaceen[13] gezählt.

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Hier wird Ericae weiter als Rhizoscyphus betrachtet,

Ist doch sein Name Rhizoscyphus ericae bei Mykorrhizologen Begriff!

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Fußnoten

[1] Rhizoscyphus ericae: Erikas Wurzelbecher (Hyaloscyphaceae – Helotiales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[2] Apothecium, Schüsselförmiger Fruchtkörper (Pezizomycotina): Fruchtkörper mit weiter Öffnung für das Hymenium (wie die konkave Seite einer Schüssel), so dass Asci ihre Sporen ungehindert in die Umgebung schießen können

[3] Substrat: Allgemeine Bezeichnung für feste, unterstützende, tragende oder nährende Substanz

[4] Read, Sir David, FRS: Botaniker, dessen Forschungsinteresse in der Physiologie von Pilzen und Pflanzen liegt; Professsor emeritus der Universität Sheffield/England, Department of Animal and Plant Science. Er lieferte umfangreiche Beiträge für das Verständnis wie Pilze Pflanzenwuzeln kolonisieren und für ihre Bedeutung für Struktur und Gesundheit der Böden; Mykorrhizologe

[5] Paraphysen (Pezizomycotina): Sterile, gametophytische (haploide), zum Teil speziell gestaltete, zwischen den Asci stehende Hyphen, die mitunter an ihrem apikalen Ende verbreitert sind und so eine Schutzschicht über den sich entwickelnden Asci bilden, die von ihnen bei Reife durchstoßen wird, um die Sporen unbehindert abschießen zu können

[6] Amyloid: Blau nach Jodbehandlung

[7] Anamorph: Nebenfruchtform der Pilze zur asexuellen Vermehrung

[8] Saprotroph, saprob: Von totem, organischem Material lebend

[9] Mykorrhizologe: Wissenschaftler, der Mykorrhizen erforscht

[10] Umkombinieren (Taxonomie): Eine Art in eine andere Gattung stellen

[11] Rhizoscyphus ericae

[12] Hyaloscypha hepaticula (syn.: Rhizoscyphus ericae, Pezizella ericae, Pezoloma ericae); (Hyaloscyphaceae – Helotiales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

[13] Helotiaceae: Stielbecherlinge (Helotiales – Leotiomycetes – Apothecienascomycota – Unitunicate Ascomycota – Inoperculate Ascomycota –…)

Eingestellt am 24. Oktober 2026

Links oben: Hyaloscypha minuta, Winziges Hyalinbecherchen

Autor: bjoerns

Rechts oben (Block): Hyaloscypha hepaticola (syn. Pezoloma ericae; syn Rhizoscyphus ericae; syn. Pezizella ericae), Ericoid-Hyalinbecherchen

Autor: Nina Filippova (The Fungarium of Yugra State University)

Lizenz:  Creative Commons Attribution 4.0 International license; unverändert

Unten: Hyaloscpha aureliella, Harzhaariges Hyalinbecherchen

Lizenz:  Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license; unverändert

Eingestellt am 24. Oktober 2026

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Endpunkt erreicht!